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Palmfett – Antworten auf die wichtigsten Fragen

Palmfett – Antworten auf die wichtigsten Fragen

Palmfett – Antworten auf die wichtigsten ...

Liebe Blogleser,

es gibt kaum einen Agrarrohstoff, der so kritisch und oft undifferenziert betrachtet wird wie Palmfett. Wir bei RITTER SPORT betonen immer wieder, wie wichtig und ernst es uns ist, im Einklang mit Mensch und Natur zu wirtschaften. Auch wir verwenden Palmfett. Ihr denkt, das sei ein Widerspruch? Nein, denn es gibt gute Gründe dafür. Aus aktuellem Anlass möchte ich versuchen, die wichtigsten Fragen zu diesem Thema zu beantworten.

Wir machen beim verantwortungsvollen Rohstoffbezug einen weiteren wichtigen Schritt und verwenden ab 2020 ausschließlich segregiertes, zertifiziert nachhaltiges Palmfett (RSPO). Aber der Reihe nach:

Warum und wofür verwendet RITTER SPORT überhaupt Palmfett?

Dazu vorab eine Zahl: Nur für rund ein Drittel unserer über 40 Sorten benötigen wir Palmfett.

Wir nutzen Palmfett ausschließlich für gefüllte Sorten wie Joghurt oder Karamell-Mousse. Und hier auch nur für die Füllungen. Palmfett hat gegenüber anderen pflanzlichen Fetten einen erheblichen Vorteil: Es ist bei Zimmertemperatur cremig bis fest. Schokoladenfüllungen erhalten so durch den Einsatz von Palmfett genau die gewünschte Konsistenz – nicht zu weich und nicht zu fest. Die Füllung kann mit der Schokolade im Mund schmelzen und so ihren Geschmack voll entfalten. Bislang ist es uns nicht möglich, entsprechend qualitativ hochwertige Schokoladenfüllungen mit einem anderen pflanzlichen Fett herzustellen.

Wie lässt sich das mit unserem Anspruch an Nachhaltigkeit vereinbaren?

Auch wir kennen natürlich die Probleme, die mit dem Anbau von Ölpalmen verbunden sind. Deshalb setzen wir uns dafür ein, den nachhaltigen Anbau zu fördern. Wir arbeiten auch hier seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll mit unseren Lieferanten zusammen und beziehen seit 2011 zertifiziert nachhaltiges Palmfett nach RSPO Standard. Ab 2020 erreichen wir ein höheres Level der Zertifizierung: die Segregation (SG).

Was bedeutet segregiert?

Das bedeutet, dass genau das Palmfett, das in unseren Schokoladenfüllungen enthalten ist, aus zertifizierten Quellen stammt.

Denn mit der Erreichung des SG-Standards ist es möglich, nachhaltig produziertes Palmfett direkt zu kaufen. Das heißt, es findet eine physische Trennung von nicht-zertifiziertem und zertifiziertem Palmfett entlang der gesamten Lieferkette statt. Wir können das von uns verwendete Palmfett damit bis zur Ölmühle zurückverfolgen. Auch wenn es bei den Ölmühlen zur Vermischung der Waren unterschiedlicher Lieferanten kommt, so ist nachvollziehbar, wer sie beliefert und es kann kontrolliert werden, dass alle nachhaltig arbeiten.

Wir verbessern damit die Transparenz der Herkunft unseres Palmfettes weiter und nehmen dafür im Übrigen Mehrkosten in Höhe von 750.000 Euro pro Jahr in Kauf.

Am RSPO-Siegel gibt es immer wieder Kritik. Wie steht RITTER SPORT dazu?

Kein Siegel ist perfekt. Der RSPO (die Abkürzung steht für den Roundtable on Sustainable Palm Oil) bezeichnet sich selbst auch nur als Mindeststandard, ist jedoch aktuell der weltweit anerkannteste Standard. Wir wissen aus unserer Erfahrung im Kakaoanbau, dass Zertifizierungen immer nur ein Anfang sein können. Wichtig ist, dass alle Beteiligten in den Anbau- und den Verbraucherländern gemeinsam an Verbesserungen arbeiten.

In der Vergangenheit wurden durch den RSPO Zertifizierungen auch wieder entzogen, wenn Lieferanten gegen Grundsätze wie „keine Rodung von Primärwäldern“ verstoßen haben. Kontrolle findet also statt. Dass es dennoch leider noch Fälle gibt, wo diese Kontrollen offenbar nicht ausreichen, zeigt, hier müssen alle Beteiligten intensiv weiter daran arbeiten.

Wäre ein genereller Verzicht auf Palmfett die nachhaltigere Maßnahme?

Ich denke nicht. Zum einen hat Palmfett gegenüber anderen pflanzlichen Fetten gerade ökologisch einen erheblichen Vorteil: den Ertrag pro Fläche. Während Ölpalmen rund 3,7 Tonnen Fett pro Hektar liefern, sind es bei Raps oder Sonnenblumen deutlich weniger mit nur rund 0,8 Tonnen und bei Soja sogar nur 0,4 Tonnen pro Hektar. Der WWF hat schon 2016 in einer Studie gezeigt, dass der vollständige Ersatz von Palmfett durch andere Pflanzenfette negative Folgen für die Umwelt hätte, weil der Flächenbedarf erheblich größer wäre.

Zum anderen sind sich inzwischen viele Experten einig, dass ein Boykott von Palmfett durch deutsche oder europäische Unternehmen die sozialen und ökologischen Probleme in den Anbauländern nicht lösen würde. Im Gegenteil. Ein vollständiger Verzicht ginge vor allem zu Lasten des nachhaltigen Anbaus, für den auch wir uns einsetzen. Es sind vor allem Unternehmen aus westlichen Ländern, die nachhaltig zertifiziertes Palmöl nachfragen und so auf Veränderungen drängen. Würde diese Nachfrage wegbrechen, würde das vor allem den nicht-zertifizierten Anbau fördern. Was nicht unser Ziel sein kann.

Woran kann man erkennen, ob für ein Produkt Palmfett verwendet wird?

Neben Süßwaren wie in Schokoladenfüllungen wird Palmfett für Lebensmittel verwendet, bei denen es zum Beispiel auf gute Streichfähigkeit ankommt, wie Margarine oder Schokocremes, aber auch für viele Backwaren, Fast Food Produkte oder Eiscreme. Während es bei Lebensmitteln eine Kennzeichnungspflicht für Palmfett gibt, ist das für viele andere Produkte wie Kosmetika oder Reinigungsmittel nicht der Fall. Ein nennenswerter Teil (über 40 Prozent) des nach Deutschland importierten Palmöls wandert übrigens in den Energiesektor, zum Beispiel in Biosprit.

Ist Palmfett krebserregend?

Die chemischen Verbindungen, die derzeit im Verdacht stehen, krebserregend zu sein entstehen bei hohen Temperaturen während der Fettgewinnung. Das Palmfett, das wir verwenden, ist nicht gehärtet oder niederschmelzend fraktioniert. Und da die von uns verwendeten pflanzlichen Fette keinen hohen Temperaturen ausgesetzt sind, ist die Bildung von 3-MCPD-Ester und Glycidylester (um diese Stoffe geht es) minimiert und in unseren Produkten kaum vorhanden. Unsere Messungen zeigen, dass wir weit unter den geltenden bzw. aktuell diskutierten Grenzwerten liegen. Es besteht in dieser Hinsicht also kein Grund zur Sorge.

Ging es früher nicht auch ohne Palmfett?

Ich kann hier natürlich nur für unsere Produkte sprechen. Und da wird zum Beispiel bei der Joghurt schon lange Palmfett für die Füllung verwendet. Der einzige Unterschied ist: Früher musste Palmfett in den Zutatendeklarationen von Lebensmitteln lediglich als „Pflanzenfett“ ausgewiesen werden, heute muss Palmfett konkret als solches benannt werden – übrigens nur in Lebensmitteln für Kosmetika oder Hygieneartikel gilt das nicht.

Wird Palmfett nur verwendet, weil es billig ist?

Das Palmfett, das wir in unseren Schokoladen einsetzen, muss hohen Anforderungen zum Beispiel hinsichtlich Qualität und Anbaubedingungen gerecht werden. Da gäbe es definitiv billigere Alternativen. Und wie gesagt, den Bezug von segregiert zertifiziert nachhaltigem Palmfett lässt sich RITTER SPORT jährlich eine Dreiviertelmillion Euro mehr kosten.

Ihr seht, wir machen es uns auch beim Thema Palmfett nicht leicht. Wir arbeiten kontinuierlich an Verbesserungen und wer weiß, was die Zukunft noch an alternativen Möglichkeiten bieten wird.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Blogbeitrag ein paar der dringlichsten Fragen beantworten. Es sind sicherlich nicht alle, aber wenn ihr noch etwas wissen wollt, stellt mir gern eure Fragen.

10 Kommentare

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  • Leporello sagt
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    Seltsamerweise empfinde aber nicht nur ich selbst, sondern auch viele Verwandte und Bekannte es so, daß es schleichend immer mehr Sorten gibt, die nicht mehr so wie früher schmecken. Gerade habe ich eine Joghurt-Großtafel (Mhd: 7.9.2020) hier und die schmeckt unangenehm fettig und fast talgig. Merkt man besonders gut wenn die Schokolade kalt ist.
    Die alte Rezeptur ist geschmacklich und im Mundgefühl deutlich besser gewesen. Palmfett entspricht eben leider nicht dem typischen Geschmacksprofil von Schokolade. Kakaobutter und Butterreinfett dagegen haben einen Eigengeschmack und Schmelz der sich positiv auswirkt. Palmfett schmeckt aber nach nix und verwässert den Geschmack. Deswegen wird der Zuckeranteil bei vielen Herstellen erhöht. Schokolade wird darum seit Jahren generell immer süßer…
    Ich kenne die Rittersport Joghurt seit der Wendezeit und bin mir sehr sicher daß früher kein Palmfett in der Füllung war. Ich glaube daher auch nicht an das Märchen daß man ohne Palmfett keine Füllung herstellen kann. Früher waren die Füllungen nur nicht so temperaturstabil.

    Leider streiche ich immer mehr der gängigen Sorten und Hersteller von meiner Einlaufsliste. Die gefüllten sind inzwischen alle für mich nicht mehr akzeptabel… Ich kaufe jetzt bevorzugt Lauenstein. Leider sehr teuer und nur zu besonderen Anlässen machbar.

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    • Sascha (RITTER SPORT Team) sagt
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      Hi Leporello, vielen Dank für dein ehrliches Feedback. Die Rezeptur der Joghurt hat sich in den letzten Jahren nicht geändert. Hier wird schon lange Palmfett für die Füllung verwendet. Der einzige Unterschied ist: Früher musste Palmfett in den Zutatendeklarationen von Lebensmitteln lediglich als „Pflanzenfett“ ausgewiesen werden, heute muss Palmfett konkret als solches benannt werden – übrigens nur in Lebensmitteln für Kosmetika oder Hygieneartikel gilt das nicht. Nur für rund ein Drittel unserer über 40 Sorten benötigen wir Palmfett.
      Wir bedauern dein Geschmackserlebnis mit unserer Großtafel. Eventuell hast du ja eine schlecht gelagerte Tafel erwischt. Wir würden dich bitten, einmal unseren Kundenservice via E-Mail zu kontaktieren: [email protected]. Die Kollegen werden sich bemühen, die Situation positiv aufzulösen. Vielen Dank und viele Grüße, dein Ritter Sport Team

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      • Leporello sagt
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        Wann war denn die letzte Rezepturänderung? Da ich etliche Leute kenne, die es genauso empfinden, gehe ich nicht von einer nur falsch gelagerten Tafel aus. Falls es Sie tröstet: bei den teuren Lindt-Schokoladen ist der Unterschied zur früheren Qualität noch größer. Dort wurde u.a. der Schmelz in Richtung Gries “verbessert”.

        Die fragliche Tafel war ein Probekauf und wegen einer einzigen Tafel werde ich nicht den Kundenservice bemühen… zumal ich weder Kassenbon noch Verpackung aufgehoben habe.

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    • Leporello sagt
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      Wenn man sich die Produktionsmengen vom Palmfetten weltweit mal genauer anschaut, so ist eindeutig festzustellen daß in den 90er Jahren dieses Fett noch kaum verwendet wurde. Es wurde nämlich zuerst von den Waschmittelherstellern als Quelle für billige Tenside entdeckt. Erst nach der Jahrtausendwende kam dieses Fett in der Nahrungsmittelproduktion richtig in Mode. Nur durch den niedrigen Preis und die optimierte Raffination setzte sich dieses Fett als Rohstoff durch.

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      • Leporello sagt
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        Was mich am Palmfett so stört ist daß die hochverarbeiteten Industriefette nachweislich gesundheitsschädlich sind und Palmöl die mit Abstand höchsten Werte an Prozeßkontaminanten aufweist. Heute nimmt man Palmfett für quasi alles wofür man früher zb. Kakaobutter, Kokosfett, Butterreinfett und pflanzl. Öle nutzte. Der Wahn billig zu produzieren ruiniert ehemals großartige Produkte, die Umwelt und auch die Gesundheit vieler Menschen.

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        • Leporello sagt
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          Es geht bei dem gesundheitlichen Aspekt um viel mehr als nur die erwähnten Stoffe die bei Erhitzung entstehen. Die Verarbeitung und Raffination verändert insgesamt die Zusammensetzung des Fettes. Ich kenne keine einzige Quelle die industriell verarbeitetes Palmfett als gesund bezeichnet. Durch den Konsum von Palmfett verschlechtern sich bei vielen Menschen nachweislich die Blutfettwerte. Ich habe in der Verwandtschaft Leute da kann man das sehr schön beobachten.

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          • Petra (RITTER SPORT Team) sagt
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            Hallo Leporello, vielen Dank für dein ehrlichen Feedback und interessierte Nachfragen.
            Wir haben viele Sorten ohne Palmfett, gut 2/3 unserer Sorten kommen ohne aus. Tatsächlich habe wir viele Versuche gemacht, aber dort, wo wir heute Palmfett einsetzen, könne wir es nicht durch andere Fette ersetzen. Schwierigkeiten dabei sind zum Beispiel, dass andere Fette (z.B. Kakaobutter oder auch Butterreinfett) bei Zimmertemperatur viel zu weich sind und so unsere Füllungen nicht mehr stabil.
            Dass der RSPO angreifbar ist uns bewusst, aber bei in diesem Fall besser als nichts. Wenn alle Abnehmer von zertifiziertem Palmfett nun einfach nicht mehr beim RSPO mitmachen würden, dann hätte das vor allem negative Auswirkungen auf die Bauern. Man darf nicht vergessen, dahinter stehen viele Familien, die davon leben. Dauerhaft lässt sich nur gemeinsam etwas ändern und Palmfett dort aus den Rezepturen nehmen, wo man es nicht unbedingt braucht oder durch andere Fette ersetzen kann, nicht nur in der Lebensmittelindustrie.
            Vielen Dank für deine Geduld und viele Grüße, dein Ritter Sport Team

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      • Leporello sagt
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        Daran ändern auch RSPO-Zertifikate nichts, wie man aus den vielen Skandalen um zertifizierte Unternehmen entnehmen kann. RSPO ist in der Praxis leider nicht viel mehr als Greenwashing. Es fehlt an Kontrolle und Umsetzung. Selbst die Kriterien sind fragwürdig: nur das Roden von Primärwald ist zb. verboten. Sekundärwald ist gar nicht geschützt und alte Rodungen können problemlos übernommem werden.

        Dem Verbraucher erzählt man davon natürlich nichts.

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  • P sagt
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    Guten Morgen!

    Gerade bei der neuen Honig Yoghurt Nuss das Palmfett bei den Zutaten entdeckt. Und danach gesucht. Mit einem Unguten Gefühl.

    Jetzt sind es gemischte Gefühlen.

    Wie unbezahlbar oder ungeeignet wären Kakaobutter oder Salfett?

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  • Fischer Rita sagt
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    Danke für die aufschlußreichen, ausführlichen und gut zu verstehenden Ausführungen.
    Meine, mich oft verunsichernden Fragen wurden darin sehr gut erklärt.
    Als Schokofans sind wir nun doch beruhigter!!!
    Gut, daß wir Ritter-Sport schon immer vertraut haben.

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