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Merit – unser Gesicht in Westafrika

Merit – unser Gesicht in Westafrika

Liebe Blogleser,

in meinem letzten Beitrag vor unserer kleinen Sommerpause habe ich euch von unserer neuen Partnerschaft mit der Kakaokooperative Abrabopa in Ghana berichtet. Es ist natürlich nicht damit getan, dass Herr Ritter ein Memorandum unterzeichnet und das war es dann. Eine solche Partnerschaft muss mit Leben gefüllt werden und dafür braucht es Leute, die sich im Land und mit dem Thema auskennen. So wie meine Kollegin Merit.

Merit ist als Programmmanagerin Westafrika für unsere Partnerschaften mit Bauern und Kooperativen in Nigeria, der Elfenbeinküste und Ghana zuständig. Ich habe Merit vor ein paar Wochen bei uns in Waldenbuch getroffen und die Gelegenheit genutzt, ihr einige Fragen zu stellen.

Merit, Du bist für die Kakaoprogramme von RITTER SPORT in Westafrika zuständig. Wie kommt man zu solch einem Job?

„Mein Herz schlägt für die Entwicklung Afrikas, seit ich 2005 als Freiwillige ein Jahr in Ghana verbracht habe. Ich habe dann Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt VWL und Agrarökonomik studiert, denn Landwirtschaft ist für Afrikas Entwicklung von zentraler Bedeutung. Nach dem Studium habe ich bei der GIZ, der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, angefangen. Und zwar in einem regionalen Kakaoprogramm in Westafrika, das den Fokus vor allem auf die wirtschaftliche Teilhabe und die Verbesserung der Einkommenslage von Kakaokleinbauern legt. Das habe ich sechs Jahre lang gemacht. Als ich die Stellenausschreibung von RITTER SPORT für eine Managerin der Kakaoprogramme entdeckte, wusste ich: Das ist genau das richtige für mich. Ich finde es toll, dass Familie und Unternehmen den Nachhaltigkeitsgedanken so fest in ihrem Kerngeschäft verankert haben und ich freue mich, mit meiner Expertise RITTER SPORT und die Partnerkooperativen in Westafrika unterstützen zu können. Außerdem ist Schokolade ein Grundnahrungsmittel für mich.“ 😉

Was genau ist denn deine Aufgabe?

„Hinter dem abstrakten Begriff Kakaoprogramm stehen ja ganz konkrete Maßnahmen, die den nachhaltigen Kakaoanbau fördern sollen. Ich bereite diese Projekte vor, betreue ihre Umsetzung und überprüfe ihre Wirksamkeit. Dazu gehört auch, dass ich ein System zur Messbarkeit der Projektfortschritte entwickle. Und natürlich regelmäßige Audits und Besuche vor Ort, denn ich bin auch so etwas wie die kommunikative Schnittstelle zwischen den Kooperativen und RITTER SPORT in Waldenbuch. Immer mit dem Ziel, die Rückverfolgbarkeit des Kakaos zu verbessern – also Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu erreichen.“

Du kennst Westafrika und vor allem Ghana gut. Wo liegen aus deiner Sicht die zentralen Herausforderungen?

„Die Situation der Kakaobauern ist leider oft schwierig. In Ghana beispielsweise hat sich ihr Einkommen in den letzten Jahren durch sinkende Kakaopreise und explodierende Kosten zum Beispiel für Betriebsmittel verschlechtert. Der reale Erzeugerpreis ist wegen der hohen Inflation, die zwischen zehn und 20 Prozent jährlich liegt, gesunken. Eine weitere Schwierigkeit in Westafrika stellen die häufig kleinen zur Verfügung stehenden Flächen dar, so dass der Kakaoanbau alleine nicht für den Lebensunterhalt ausreicht. Die Baumbestände sind überaltert, teilweise krank. Durch Abholzung und Klimawandel zieht die Sahelzone langsam Richtung Süden und führt zu weniger konstantem, aber stärkerem Regen und längeren Trockenzeiten, womit die bestehenden Kakaobäume nicht umgehen können. Der Druck auf die verbliebenden Wälder nimmt durch Umwandlung in Kakaoplantagen und andere lukrative Pflanzen wie Ölpalme und Gummibaum aber auch den Bergbau zu. Außerdem haben viele Kakaobauern das Rentenalter erreicht und es fehlt an Nachwuchs.“

Das klingt alles sehr schwierig, fast aussichtslos. Können wir dem wirklich etwas entgegensetzen?

„Ich denke, dass sich der Kakaoanbau in Ghana und Côte d’Ivoire an einem Wendepunkt befindet und sich in den nächsten Jahren stark verändern wird. Für uns bedeutet das die große Chance, aber auch die große Verantwortung, die Bauern bei der Etablierung eines nachhaltigen Kakaoanbaus zu unterstützen. Also ein Kakaoanbau, der für sie profitabel ist, der umweltschonend ist, die Biodiversität fördert und sozialen Herausforderungen wie mangelnder Schulbildung und schlechten Arbeitsbedingungen begegnet.
Programme können nur dann langfristig erfolgreich sein, wenn sie wirtschaftliche Vorteile für die Bauern bringen, sie sich als landwirtschaftliche Unternehmer sehen und in ihre Betriebe investieren. Die Bauern müssen fähig sein, die Änderungsprozesse selbständig und unabhängig zu gestalten. Deshalb beziehen wir die Bauern von Beginn an in die Programmgestaltung ein und begegnen ihnen als Geschäftspartner.“

Wo gibt es deiner Ansicht nach den größten Handlungsbedarf?

„Die Kakaobauern in Westafrika sind zu abhängig vom Kakaoanbau. Ich denke, wir müssen sie darin unterstützen, Einkommensquellen außerhalb des Kakaoanbaus zu erschließen. Zum Beispiel durch eine Diversifizierung des Anbaus. Außerdem fehlen vielen Bauern die Kenntnisse und Fähigkeiten, um ihre Betriebe professionell zu führen. Dies ist ein zentraler Grund, wieso sie nicht in gute Anbaupraktiken investieren. Gezielte Schulungen in Farming as a Business sind daher wichtig.“

Was können wir als Unternehmen tun?

„Ich bin davon überzeugt, dass die enge Zusammenarbeit mit Bauern und Kooperativen der richtige Weg ist. Persönliche und langfristige Beziehungen zu etablieren ist das A und O. Wir können die Situation nur zusammen verändern. Unser gemeinsames Ziel muss ein Kakaoanbau sein, von dem die Bauern gut leben können und der Biodiversität und Wiederaufforstung fördert, weil ein einmal zerstörtes Ökosystem sich nur schwer wieder regenerieren lässt.“

Dann bleibt mir eigentlich nur, dir dabei viel Erfolg zu wünschen und dich zu bitten, mich auf dem Laufenden zu halten.

2 Kommentare

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  • Willi sagt
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    Ritter Sport wird statt Bio mehr Chemie im Landbau fördern

    Dazu kommt, dass sich die Schwaben von dem durch das Südwind-Institut gelobten Zahlungsmodell nun offenbar verabschieden. Den Bio-Kooperativen in Nicaragua hat Ritter über die Landesvertretung in Matagalpa mitteilen lassen, dass ab Oktober 2017 kein Bio-Zuschlag mehr gezahlt werde. Der Mehrpreis von knapp 10 Prozent bleibe zwar, jedoch nur noch für eine UTZ-Zertifizierung. Deren Nachhaltigkeitsstandards sind allerdings weit entfernt von den Richtlinien für den ökologischen Anbau. Jaume Martorell, Leiter des Bereichs Aufkauf von Ritter Sport in Nicaragua, schrieb einem Lieferanten am 8. Januar 2017, dass Bio-Ware ab Oktober dieses Jahres nur noch in Kombination mit einem Siegel von UTZ oder Fairtrade aufgekauft werde. Am 27. Februar 2017 teilt er ergänzend mit: „Ob die Ware biologisch angebaut ist oder nicht, interessiert nicht, sie muss nach UTZ oder Fairtrade zertifiziert sein“. In erster Linie gehe es Ritter um Nachhaltigkeit. Das Unternehmen argumentiert, dass Sozialkriterien stärker bei UTZ und Fairtrade verwirklicht seien als bei einer Bio-Zertifizierung. Und weiter heißt es in der Mail von Jaume Martorell: „Chemische Düngung ist bei beiden Siegeln erlaubt

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    • Petra (RITTER SPORT Team) sagt
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      Hallo Willi, wir sind seit inzwischen fast 30 Jahren in Nicaragua aktiv und haben in dieser Zeit ganz sicher bewiesen, dass wir für die Bauern ein zuverlässiger und vor allem langfristiger Partner sind.
      Was meine Kollegin für Westafrika beschreibt, gilt auch für andere Ursprungsländer: Wir können den Bedürfnissen der Bauern nur gerecht werden, wenn wir sie darin unterstützen, einen wirtschaftlich attraktiven Kakaoanbau zu etablieren. Das wird nur möglich sein, wenn dabei die Anforderungen des Marktes berücksichtigt werden. Wenn die Nachfrage nach nachhaltig zertifiziertem Kakao höher ist, als nach Bio-Kakao, weil schlichtweg nur wenig Bioschokolade gekauft wird, muss der Kakaoanbau darauf reagieren. Gerade die Entwicklung Nicaraguas hin zum Edelkakaoland zeigt, das vor allem die Arbeit an der Qualität des Kakaos der richtige Weg ist. Deshalb setzten wir inzwischen auch in anderen Regionen auf das Prinzip der Partnerschaften. Viele Grüße!

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