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Auf eigenen Wegen

Auf eigenen Wegen

Liebe Blogleser, in einem meiner ersten Beiträge hier auf dem Blog habe ich euch erklärt, wie wir unseren gesamten Kakaobezug möglichst transparent gestalten wollen, und euch die drei Säulen – Einkauf von zertifiziertem Kakao, Direktbezug und Eigenanbau – vorgestellt. Wenn es um diese allgemeine Kakaobezugsstrategie geht, ist bei uns immer wieder die Rede von dem „eigenen Weg“, den wir als RITTER SPORT dabei gehen. Was unsere Plantage El Cacao anbelangt, kann man das durchaus wörtlich nehmen. Denn der Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur hat sich in den letzten Jahren als eine der größten Herausforderungen erwiesen.

El Cacao ist 2.500 Hektar, also 25 Quadratkilometer groß. Knapp die Hälfte wird in Zukunft für den Kakaoanbau genutzt, die andere Hälfte sind Wald- und Feuchtgebiete, die zum Schutz der Artenvielfalt erhalten bleiben. Um diese 1.200 Hektar Anbaufläche bewirtschaften zu können, braucht es Wege. Klingt banal, ist es aber nicht. Ihr erinnert euch vielleicht an den einen oder anderen Bericht aus der Anfangszeit von El Cacao, in der es wirklich nichts gab außer unwegsamem Brachland. Inzwischen haben meine Kollegen rund 70 Kilometer befestigte Wege und drei große Brücken gebaut.

Die drei Steinbrüche, von denen ihr in unserem kleinen Film einen gesehen habt, waren für El Cacao unglaublich wichtig. Denn Baumaterial für jene 70 Kilometer Wege von außen auf die Plantage zu holen, hätte solch immense Kosten erzeugt, dass das ganze Vorhaben daran hätte scheitern können. Mit ein paar Wegen ist es aber natürlich nicht getan. Es brauchte auch Wirtschaftsgebäude, eine eigene Strom- und Wasserversorgung und nicht zuletzt ein Bewässerungssystem.

Mit letzterem hatten wir eigentlich nicht gerechnet, denn in Nicaragua regnet es etwa viermal soviel wie in Deutschland. Das Wetterphänomen El Niño hat jedoch die klimatischen Verhältnisse auf den Kopf und die Landwirtschaft des Landes wie der gesamten Region vor große Herausforderungen gestellt. Trockenheit ist natürlich relativ. Aber für nicaraguanische Verhältnisse hat es vor allem 2014 und 2015 extrem wenig Niederschlag gegeben. Das ist besonders für Jungpflanzen problematisch. Sobald die Anpflanzungen etwas älter und die Schattenbäume wie Bananen oder Forstbäume größer werden, sind die Kakaopflanzen der Sonne nicht mehr ganz so schutzlos ausgeliefert und die Böden können Feuchtigkeit besser speichern. Wir haben daher Wasserbecken installiert, die Regen auffangen bzw. von natürlichen Wasserläufen gespeist werden. Anstatt eines automatischen Bewässerungssystems setzen die Kollegen vor Ort auf eine gezielte Bewässerung je nach Notwendigkeit. Dafür gibt es sieben mobile Pumpaggregate und ein ausgeklügeltes System von über die gesamte Plantage verteilten Wassertankstellen.

Vielleicht wird anhand dieser Beispiele deutlich, dass der Aufbau einer eigenen Plantage viel mehr ist, als nur „ein paar“ Kakaobäume anzupflanzen und einige Jahre später den eigenen Kakao zu ernten. El Cacao ist für uns als vergleichsweise kleines, mittelständisches Unternehmen eine enorme Investition, die sich erst auf lange Sicht rechnen wird. Dabei kommt uns sicher zugute, dass wir eine Inhaberfamilie haben, die das Thema Nachhaltigkeit aus eigener Überzeugung vorantreibt und daher bereit ist, solch langfristige Investitionen zu tätigen.

1 Kommentar

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  • Sylvia K sagt
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    Ganz toll, ihr begeistert uns immer sehr und ich mag Euren blog gern 🙂 LG Sylvie

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