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Was Maschinen mit Nachhaltigkeit zu tun haben

Was Maschinen mit Nachhaltigkeit zu ...

Liebe Blogleser, wenn man Berichte über nachhaltigen Anbau liest und hört, hat man manchmal den Eindruck, es gehe bei Nachhaltigkeit grundsätzlich um eine Absage an alles Moderne, ein Zurück zur „guten alten Zeit“ sozusagen. Ich möchte euch heute gerne mal erklären, warum sich nachhaltiger Anbau zwar von der industriellen Landwirtschaft unterscheidet, aber ganz sicher keine Rolle rückwärts ins 19. Jahrhundert ist.

Die „gute alte Zeit“?, © danmir12, fotolia.com

Die Weltbevölkerung wächst und damit werden immer mehr Nahrungsmittel benötigt. Wie aber muss eine landwirtschaftliche Produktion aussehen, die diesen Bedarf deckt, ohne die eigenen Produktionsgrundlagen zu zerstören? Hier kommt die nachhaltige Landwirtschaft ins Spiel. Ihr Ziel ist es, die Erträge zu verbessern und gleichzeitig das Klima, die Böden und natürlichen Ressourcen sowie die Artenvielfalt und die Gesundheit der Menschen zu schützen.

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich euch ein wenig von den sozialen Aspekten unserer Kakaoplantage El Cacao berichtet. Denn zu einer nachhaltigen Landwirtschaft gehören nicht nur ökologische Faktoren, sondern eben auch ein zufriedenstellendes Einkommen, eine dauerhafte Beschäftigung und nicht zuletzt sichere und menschenwürdige Arbeit.

Der Kakaoanbau sieht vielerorts noch so aus, wie vor hundert Jahren: mit viel, oftmals gefährlicher Handarbeit. So werden zum Beispiel noch immer Macheten verwendet, um die harte Schale der reifen Kakaofrüchte zu öffnen und an die eigentlichen Kakaobohnen zu gelangen. Wer einmal Bilder davon gesehen hat, kann sich vorstellen, wie schnell sich die Arbeiter damit verletzen und wie schwer diese Verletzungen sind. Für El Cacao haben meine Kollegen nun eine relativ simple Anlage entwickelt, die das Öffnen der Früchte und Herauslösen der Kakaobohnen übernimmt und somit das Verletzungsrisiko prinzipiell ausschließt.

Kakaobohnen sind die Samen der Kakaofrucht. Damit aus diesen Samen Rohkakao wird, werden die Kakaobohnen fermentiert, also einem Gärungsprozess unterzogen. Üblicherweise füllt man die von Fruchtfleisch umgebenen Samen in Holzkisten, anschließend werden sie regelmäßig von Hand gewendet. Dabei kommen die Arbeiter jedoch ständig in Kontakt mit den sich bildenden Essig- und Milchsäuren, was für die Haut und die Atemwege problematisch sein kann. Auf El Cacao wird es auch dafür eine Anlage geben, die das Wenden der Kakaobohnen ohne den mühsamen Einsatz unserer Kollegen übernimmt.

Den Fermenter und die Kakaoschneidemaschine haben meine Kollegen aus Waldenbuch für die Plantage entwickelt. Unser Ziel ist es, dieses Know-how zum Beispiel auch Kooperativen in anderen Anbauregionen zur Verfügung zu stellen, um so den Kakaoanbau dauerhaft sicherer zu machen. Modernisierung und Mechanisierung können also sehr wohl Teil einer nachhaltigen Landwirtschaft sein.

Neben der Arbeitssicherheit gibt es einen weiteren positiven Effekt der Mechanisierung: die Qualifizierung der Arbeit. Indem Mitarbeiter die Möglichkeit zur Weiterbildung erhalten, zum Beispiel um Anlagen zu bedienen und zu warten, können sie sich beruflich weiterentwickeln, höhere Löhne erzielen und somit die Lebensbedingungen ihrer Familien weiter verbessern.

Es hat an dieser Form der Mechanisierung durchaus auch schon Kritik gegeben. Denn natürlich bedeutet der Einsatz von Maschinen, dass weniger Arbeitskräfte benötigt werden. Der Vorsitzende unserer Geschäftsführung, Andreas Ronken, hat dazu kürzlich deutliche Worte gefunden. In einem Interview mit dem Magazin Forum Nachhaltig Wirtschaften sagte er:

„Wer meint, dass es besser ist 1.000 Leute zu beschäftigen, die trotz Verletzungsgefahr die Kakaofrüchte mit der Machete öffnen, statt 300, die buchstäblich sichere Arbeitsplätze haben, hat aus meiner Sicht von Nachhaltigkeit nichts verstanden.“

Nachhaltigkeit bedeutet eben auch menschenwürdige Arbeit.
Wie seht ihr das denn? Ich freue mich, eure Meinung dazu zu hören.

8 Kommentare

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  • Johan Ernesto sagt
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    Nachhaltigkeit setzt aber auch einen gewissen Nutzen für alle Beteiligten voraus. Ich verstehe den Ansatz und denke auch, dass man die zur Verfügung stehende Möglichkeiten nutzen sollte, um einfach besser zu werden. Aber ist es nachhaltig, 700 Familien einen Teil der Existenzgrundlage zu nehmen? Man sollte Effizienz nicht mit Nachhaltigkeit verwechseln.

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    • Hannes Sauer sagt
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      Auf diesen Kommentar kann man nur mit diesem schönen Zitat antworten: „Wer meint, dass es besser ist 1.000 Leute zu beschäftigen, die trotz Verletzungsgefahr die Kakaofrüchte mit der Machete öffnen, statt 300, die buchstäblich sichere Arbeitsplätze haben, hat aus meiner Sicht von Nachhaltigkeit nichts verstanden.“

      Man sollte Effizienz nicht mit Existenz verwechseln

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    • Johan Ernesto sagt
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      Nein, tut mir Leid, das hat für mich nichts mit Nachhaltigkeit zu tun, allenfalls mit Sicherheit und Effizienz. Oder wollen Sie den nun Arbeitslosen sagen “hey, wir sind nun nachhaltig und deswegen bist du deinen Job los”? Nachhaltig wäre es gewesen, den Prozess sicherer zu machen und die Arbeitskräfte zu erhalten oder den Entlassenen eine Alternative zu bieten.

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    • Johan Ernesto sagt
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      Entlassen? Hier wurde doch niemand entlassen.
      Und Arbeitslose können auch gar nicht entlassen werden, denn sie sind wie schon der Name sagt, arbeitslos.

      Na was hätten sie denn gerne, 1000 Leute, die sich in Leiharbeit ohne Krankenversicherung zu Tode schaffen oder 300 gerecht bezahlte und – behandelte Vollzeitmitarbeiter?

      Und Ritter Sport hat dafür niemand entlassen, glaube Sie haben den Artikel nichtmal richtig gelesen

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    • Johan Ernesto sagt
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      Vllt. sollte man hier ergänzend folgenden Satz aus dem Beitrag zitieren: “Denn zu einer nachhaltigen Landwirtschaft gehören […] eben auch ein zufriedenstellendes Einkommen [und] eine dauerhafte Beschäftigung”. Wo ist das bei einer Reduktion der Mitarbeiter um 70% gegeben? Und bitte nicht falsch verstehen: ich verstehe, dass das ein Interessenkonflikt ist, in diesem Fall Sicherheit gegen Beschäftigung. Nur ist es so gemessen an den eigenen Maßstäben nicht nachhaltig.

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    • Hannes Sauer sagt
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      Auf diesen Kommentar kann man nur mit diesem schönen Zitat antworten: „Wer meint, dass es besser ist 1.000 Leute zu beschäftigen, die trotz Verletzungsgefahr die Kakaofrüchte mit der Machete öffnen, statt 300, die buchstäblich sichere Arbeitsplätze haben, hat aus meiner Sicht von Nachhaltigkeit nichts verstanden.“

      Man sollte Effizienz nicht mit Existenz verwechseln

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    • Meike (RITTER SPORT Team) sagt
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      Hallo Johan, hallo Hannes, schön, dass ihr euch so intensiv mit dem Thema beschäftigt. Vielleicht ist das Zitat etwas missverständlich. Es ist keinesfalls so, dass wir hier 700 Stellen abgebaut haben. Wir haben auf El Cacao die besagten 300 Stellen überhaupt erst geschaffen. Um das noch einmal ganz klar zu sagen: Wir nehmen niemandem die Existenzgrundlage, sondern sichern diese für eben jene 300 Mitarbeiter und ihre Familien dauerhaft, indem wir Arbeitsplätze mit gutem Lohn, hohen Sicherheitsstandards, Weiterbildungsmöglichkeiten etc. bieten. Unserer Überzeugung nacht bedeutet Nachhaltigkeit nicht zuletzt auch menschenwürdige Arbeit. Viele Grüße

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    • Johan Ernesto sagt
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      Ah, danke für die Richtigstellung, dann finde ich das natürlich top!

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