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Die aztekische Schokoladenküche
1000 und 1 Schokogewürz.

Gewürze spielten in der Küche der Azteken eine bedeutende Rolle, so natürlich auch bei den unterschiedlichen Schokoladenrezepturen. „Chilcacahuatl“, Schokolade mit Chilipulver, das ist keineswegs ein moderne Erfindung. Chilischokolade war die gebräuchlichste und beliebstete Zubereitung von Kakao bei den Azteken.

Schon gewußt?
Die Geschichte der Schokolade beginnt vor ca. 4000 Jahren. Allerdings nicht in fester, sondern in flüssiger Form. Wenn im Folgenden also von Schokolade die Rede ist, dann von Trinkschokolade. Tafeln wie wir sie heute kennen, bezeichnet man erst seit dem 19. Jahrhundert als Schokolade.

Scharfe Schokolade.

Francisco Jiménez, war einer von zwei Franziskanermönchen, die zum Gefolge von H. Cortés Honduras Expedition (span. Eroberer Mittelamerikas) gehörten. Er schilderte die Schokoladenzubereitung wie folgt:

„Sie, die chocoatl – das bedeutet, „Schaumwasser“ in ihrer Sprache – verkaufen will, röstet die Bohnen zuerst in einem irdenen Topf. Wenn die Kerne dann aus der Haut gesprungen sind, werden sie auf einer steinernen Platte mit einer Walze zerrieben, die sie allhier metatl heißen. Das macht sie ein Mal oder auch zwei, bis es Pulver ist, das sie dann mit Mehl vom Mais mischt und ein wenig Wasser aus einem Krug, das dann einen festen Brei macht. Der wird über dem Feuer erhitzt, bis er zu Schaum wird. Wenn es aber zu viel Wasser ist, schäumt es nicht. Wenn der Brei aber gut schäumt, gibt sie vaynella (Vanille) dazu, auch Honig von den wilden Bienen im Wald und auch Rosenwasser. Er wird immer in neue Töpfe getan und wieder geschlagen, auch durch ein Tuch geseiht, bis er ganz dick ist. Dann schöpft sie den Schaum ab und schlägt ihn mit einem Quirlstock. Sie, die die wahre Zubereitung kennt, macht die chocoatl so gut, dass die Senhores sie nur essen können, wenn sie den Mund ganz weit öffnen, es schmilzt dann im Mund und geht nur langsam über die Zunge hinunter in den Magen. Das gemeine Volk und die Soldaten machen dicke Kuchen aus chocoatl mit Mais und rotem Pfeffer (chilli). Da ist sehr nahrhaft und läßt sich viele Monde aufheben.“

Exotische Schokogewürze.

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Achiotesamen zum Färben des aztekischen Schokoladengetränks.

Die Samen des Orleansstrauches, als Annatto- oder auch Achiotesamen bezeichnet, dienten den Azteken vor allem zum Färben der Schokolade. Die ölhaltigen Samen verliehen dem Getränk eine blutrote Farbe, was die symbolische Beziehung zwischen Blut und Schokolade noch mehr verdeutlichte.

Die Beerenfrüchte des Sapodillabaums enthalten Kerne, die wie bitter Mandeln schmecken. Zu Puder vermahlen, gaben die Azteken sie in die Schokolade.

„Hueinacaztli“ so hieß das beliebteste und wertvollste Schokogewürz der Azteken. Es wurde aus dem dicken, ohrenförmigen Blütenblatt der Cymbopetalum penduliflorum – Ohrenblume – hergestellt. Über den Geschmack dieses Gewürzes können wir heute nur spekulieren. Aufzeichnungen beschreiben es mal als muskatähnlich oder zimtartig, dann wieder wird es mit Piment oder Pfeffer verglichen. Auch die Beschreibung Philippe S. Dufour, Autor des Traktates „Von Café, Tee und Schokolade“ ist wenig erhellend: „…hat inwendig purpurfarbene/ auswendig grüne/ wohlriechende/ und zum Gewürzen dienliche Blätter…“.
Da die Azteken es als ebenso wertvoll wie Edelsteine und Gold erachteten, muss es für sie wirklich sehr köstlich gewesen sein.

Vanille in die Schokolade zu geben, war keine Idee von europäischen Schokoladenherstellern. „Tlilxochitl“ (Vanille) war bereits ein beliebtes Schokoladengewürz der Azteken.
Über „Mecaxochitl“ – die Faserblume – schrieb Francisco Hernández de Toledo (Leibarzt von Philip II.) folgendes: „…Zusammen mit cacahuatl (Kakao) eingenommen, einen angenehmen Geschmack, ist tonisch, wärmt den Magen, parfümiert den Atmen, …bekämpft Gifte (und) lindert Verdaungsbeschwerden und Koliken“.(S. D. Coe, „Die wahre Geschichte der Schokolade.“)

Auch verschiedene Blumen fanden getrocknete oder gemahlen ihren Weg in die Schokolade, z. B. „Izquixochitl“ – die Popkornblume. Der Missionar Bernardino de Sahagún berichtet über sie folgendes:


(…) Sie hat einen angenehmen Duft, wohlriechend, würzig; ihr Duft ist dicht, stark, streng. (…) er durchdringt einem die Nase. Seine Blätter und Blüten sind im Wasser trinkbar, in kaltem gekühltem Kakao. (…)


Ein weitere Blüte mit der Bezeichnung Herzblume beschreibt er uns so: “(…) Der Name seiner Blüte ist Yolloxochitl (Herzblume). Sie ist weiß, dick, walzenförmig, wie ein Herz, wie ein Vogelei. Der Name der großen ist Tlacayolloxochitl; sie ist dunkelfarbig.(…)” Diese Yolloxochitl ist von angenehmem Duft, wohlriechend, würzig. Ihr Duft ist dicht. Sie ist beblättert; sie hat Blätter, ein Herz, Samen. Und sie ist in Kakao trinkbar. Sie lindert das Fieber; sie ist eine Fiebermedizin.(…)“(Originaltext)

Piment, Chili ebenso wie die gemahlenen Samen des Woll- (Kapokbaum) oder Seidenbaumwollbaums, die Liste der aztekischen Schokoladengewürze ist nahezu unendlich.

Schokomedizin.

Schokolade war aber nicht nur ein unwiderstehliches Genussmittel, sondern wurde auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Kombiniert mit diversen heilkräftigen Gewürzen, wie der bereits erwähnten Herzblume, wurde Schokolade bei mangelnden Appetit, Kraftlosigkeit, Katarrh, Verdauungsstörungen und fiebrigen Erkrankungen verabreicht.

August Freiherr von Gall übertrug folgendes Rezept aus dem tici-amatl, dem medizinischen Büchern der Azteken:„9. Wir spucken Blut: Er soll trinken Schokolade, Vanille, mecaxochitl (mexikanischer Blattpfeffer), veinacaztli (Mimosengewächs, umgangssprachl. Elefantenohrbaum) mit Gummi, chiltecpin (Chili) gemischt (…).“ (Aus der ersten Zeit der Conquista)

Das Kakaobutter zu dem eine hervorragende Haut- und Wundcreme ist – war auch bereits aztekische Allgemeinwissen.