Unser Engagement in Nicaragua -
Alternative für Mensch und Natur


Seit 1990 unterstützt RITTER SPORT Kleinbauern in Nicaragua. Mit dem Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern und die natürlichen Ressourcen als elementare Lebensgrundlage zu schützen. In nahezu 20 Jahren hat sich aus der ausschließlichen Förderung, der von RITTER SPORT gegründeten Kooperative CACAONICA eine Kooperation mit über 14 Bauern-Kooperativen entwickelt.


Nicaragua ist das größte Land Zentralamerikas (130 000 qkm). Im Norden grenzt es an Honduras und im Süden an Costa Rica. Im Osten hat das Land eine 450 km lange Begrenzung durch die Karibik, und im Westen öffnen sich die Weiten des Pazifiks. Übrigens besitzt Nicaragua den größten Binnensee in Mittelamerika (Nicaragua-See) mit 8264 qkm, dessen Südufer teilweise an Costa Rica grenzt. Nicaragua ist ein „junges Land“, wenn man seine Bewohner zum Maßstab nimmt. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 18 Jahre.

Seit 1970 ist die Einwohnerzahl von 2 Mio stetig angestiegen. Die Bevölkerung wächst jährlich um ca. 3%. Gleichwohl ist das Land in weiten Teilen sehr schwach besiedelt. Der Großteil der Bevölkerung lebt im Westen, in den Pazifik nahen Regionen und in den großen Städten. Nicaragua hat derzeit ca. 5,2 Mio Einwohner, davon leben weit über eine Million in der Landeshauptstadt Managua, die am Südufer des gleichnamigen Sees liegt. Leon und Granada sind zwei weitere wichtige Städte im Norden und Süden der Hauptstadt, die die lange Geschichte der Kolonisation seit dem 16. Jahrhundert mit ihren schönen alten Gebäuden, Straßen und Plätzen erzählen. Der überwiegende Teil der Bevölkerung sind Nachfahren der indianischen Ureinwohner und der das Land erobernden Spanier, die sich vermischten und als Mestizen bezeichnet werden (70%). Einige Indianerstämme (Misquitos, Mayangnas und Ramas) leben noch im Osten des Landes. Der größte Teil des Landes (zentrales Hochland und Karibikregion) zählt zu den Feuchttropen. Gleichwohl ist auch in Nicaragua der Tropenwald auf dem Rückzug. Noch etwa 26% des Landes sind mit Regenwald bedeckt.

Seit 1990 hat das Land eine demokratisch gewählte Regierung. Nach dem Sturz der jahrzehntelangen Somoza-Diktatur und den anschließenden Kämpfen, die das Land erschöpften und weiter verarmten, kann heute eine politische Stabilisierung festgestellt werden. Die wirtschaftliche Situation der Mehrheit der Bevölkerung ist trotz aller Anstrengungen weiterhin sehr kritisch. Noch immer leben 50% der Bevölkerung in Armut, und die Arbeitslosigkeit, vor allem im ländlichen Raum, ist hoch.

Nicaragua ist noch immer ein überwiegend agrarisch strukturiertes Land. Wichtigster Wirtschaftszweig bleibt die Landwirtschaft. Die Abhängigkeit von wenigen Exportprodukten (Kaffee, Meeresfrüchte, Fleisch, Zucker, Kakao) macht das Land stark anfällig für schwankende Weltmarktpreise. Eine industrielle Struktur, die Arbeitsplätze anbieten könnte, ist in Ansätzen vorhanden. Fehlende Kredite, eine unzureichende Infrastruktur und weiterhin ungeklärte Eigentumsfragen erschweren eine zügige Umstrukturierung. Es bleibt zu hoffen, dass Nicaragua wirtschaftlich, sozial und politisch den Anschluss an die Situation vergleichbarer Länder in Lateinamerika findet und den Reichtum und die Schönheit des Landes sichern und dauerhaft erhalten kann.

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Trotz der angestrebten und teilweise umgesetzten Reformen verbessert sich die Lage der Kleinbauern nur langsam. Ursachen sind die in den vergangenen Jahren wiederholt aufgetretenen schweren Naturkatastrophen, von denen das Land heimgesucht wurde: das Klimaphänomen „El Niño“, der Hurrikan „Mitch“ im Jahr 1998, eine Reihe von Erdbeben und Vulkanausbrüchen im Herbst 1999, anhaltende Dürreperioden, abgelöst von schweren Regenfällen und Überschwemmungen in den Folgejahren und die daraus entstandenen schweren Infrastrukturschäden.

Konventionelle Anbaumethoden können die Einkommen der kleinbäuerlichen Familien nicht mehr ausreichend sichern. Die Bodenfruchtbarkeit ist stark vermindert, große Flächen liegen brach, Erträge und Erlöse sind entsprechend niedrig. Für die Bauern gibt es kaum alternative Möglichkeiten, Einkommen zu erzielen. Erschwerend wirken sich die mangelnde Organisation der kleinbäuerlichen Betriebe in Anbau- und Vermarktungskooperativen sowie die schlechte Infrastruktur aus.

Der Staat seinerseits will aus den Holzreserven des tropischen Waldes Einnahmen erzielen. Das größere Problem in Nicaragua sind jedoch die rasche Ausdehnung der Viehzucht und der extensive Ackerbau für eine ständig wachsende Landbevölkerung.

Der Teufelskreis von Verarmung, Bevölkerungszunahme und Abholzung der tropischen Regenwälder muss schnellstmöglich gestoppt werden, soll es nicht endgültig zu spät sein, andernfalls droht die unwiederbringliche Vernichtung der tropischen Wälder mit ihrem unglaublichen Artenreichtum. Neben einer sinnvollen Begrenzung oder sogar einem absoluten Verbot der Abholzung ist eine wirksame Förderung der Kleinbauern und der dörflichen Infrastruktur dringend notwendig.

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Zu Beginn des Jahrhunderts war Nicaragua zu etwa 60% bewaldet. Seit den 50er Jahren hat die Abholzung immense Ausmaße angenommen. Eine jährliche Abholzung von 100.000 ha mit stark steigender Tendenz hat dazu geführt, dass im Jahre 1992 nur noch die Hälfte des Waldbestandes vorhanden war. Die jährliche Wiederaufforstung beträgt nur ca. 5.000 ha.

Hauptgrund für den Rückgang des tropischen Regenwaldes ist die Ausdehnung der landwirtschaftlichen Anbaufläche. Die Kleinbauern sind gezwungen, dem Regenwald ständig neues Ackerland abzugewinnen, denn das rasche Nachlassen der Fruchtbarkeit der Böden, oftmals bedingt durch eine einseitige, nicht standortgerechte Bewirtschaftung, und das beständige Nachrücken der Viehzüchter lassen allzu oft dem Bauern keine Wahl. Hinzu kommen die wachsende Bevölkerung und ein sehr beachtlicher Brennholzbedarf, denn 60% der gesamten Bevölkerung sind allein auf diese Energiequelle angewiesen.

Die Vernichtung großer Waldgebiete hat das ökologische Gleichgewicht bereits gravierend verändert; die in den letzten Jahren aufgetretenen verheerenden Naturkatastrophen, wie Dürreperioden, schwere Regenfälle und darauf folgende Überschwemmungen und die zunehmende Bodenerosion in der östlichen Landeshälfte, dem Regenwaldgebiet Nicaraguas, beweisen dies.

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Um die extensive Landbewirtschaftung und Wanderbewegung einzudämmen und der Wiederaufforstung – und damit dem Fortbestehen des Regenwaldes und seines unvergleichlichen Artenreichtums – eine reale Chance zu geben, wird auf ein Konzept gebaut, welches unter dem Namen Agroforstwirtschaft land- und forstwirtschaftliche Anbaumethoden kombiniert. Durch den Einsatz verschiedener standortgerechter Nutzpflanzen, wie z.B. Bananen, Kakao, Mais, Bohnen etc. gleichsam als „Untersaat” in Baumplantagen, wird eine mehrstufige Bodenbedeckung gewährleistet, die zu einer erheblichen Minderung der Erosionsgefahr beitragen kann und gleichzeitig den Boden besser vor Austrocknung und Nährstoffverlust schützt.

Daraus ergeben sich für die Kleinbauern erhebliche Vorteile: Bei gleich bleibender Anbaufläche können höhere Erträge erzielt werden. Die Produktivität steigt und damit das Einkommen der Bauern – bessere Ernährungsmöglichkeiten und eine höhere ökonomische Stabilität führen zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen. Gleichzeitig wird die Ertragsfähigkeit der Böden langfristig gesichert. Für die Bauern bietet dies einen Anreiz zur Sesshaftigkeit; die ständige Ausdehnung landwirtschaftlicher Flächen und die damit verbundene Abholzung des Regenwaldes kann wirksam eingedämmt werden.

Die agroforstliche Landwirtschaft trägt also insgesamt zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen, sowie zum Schutz und zur nachhaltigen Erhaltung der natürlichen Ressourcen als deren Lebensgrundlage bei.

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Aus dem agroforstlichen Ansatz ist im Jahr 1990 das private Entwicklungsprojekt CACAONICA entstanden. Es bietet dem traditionellen Bauern Unterstützung an, um zunächst einen Teil seines Landes agroforstlich zu bewirtschaften und die agroforstliche Methode als ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative zu konventionellen Anbaumethoden zu übernehmen.

Zielsetzung des Projektes CACAONICA ist deshalb die modellhafte, realistische Demonstration einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Nutzung, die den Waldbestand schützt, zur Wiederaufforstung anreizt und die Fruchtbarkeit der Böden auf weitestgehend natürliche Weise sichert. So wird gleichzeitig der Ertrag für den Bauern verbessert, seine wirtschaftliche Situation gestärkt und der Landflucht entgegengewirkt.

Für die agroforstliche Bewirtschaftung ist unter den Bedingungen der Tropen der Kakao eine besonders geeignete Pflanze. Denn die Kakaopflanze kann bevorzugt in Mischkulturen zusammen mit Bananen, verschiedenen Gemüsesorten, Mais oder auch Pfeffer angebaut werden. Hohe Schattenbäume sind günstig für den Kakao. Die permanente Beschattung reduziert zudem das Unkrautwachstum, regt die Bildung organischer Nährstoffe an und macht den Einsatz von Kunstdünger entbehrlich. So können der schonende Umgang mit vorhandenem Wald und die Wiederaufforstung sinnvoll und produktiv mit dem Kakaoanbau verbunden werden.

CACAONICA hat sich zum Ziel gesetzt, vor allem Anbau, Erzeugung und Vermarktung von ökologischem Kakao (Kakao aus organischem Anbau) zu fördern. Die organische Anbauweise ermöglicht eine günstige Auslastung der Familienarbeitskräfte durch die ganzjährig anfallenden Kultur- und Erntearbeiten. Durch den Export von Kakao aus organischem Anbau sind Verkaufserlöse erzielbar, die derzeit deutlich über dem Inlandsniveau für konventionellen Kakao und über dem derzeitigen Niveau des Weltmarktpreises liegen. Durch den Auf- und Ausbau einer entsprechenden Vermarktungskompetenz sollen die Betriebe zudem befähigt werden, über die Vermarktungskooperative eigenständig und unabhängig am Markt zu agieren.

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CACAONICA ist ein privates Entwicklungsprojekt, das seit Beginn des Jahres 1990 von RITTER SPORT mit bisher über 2,5 Millionen Euro unterstützt wurde. Getragen wird das Projekt von der Entwicklungshilfeorganisation Pro Mundo Humano e. V. in Bonn. Von 2002 – 2004 wurde das Projekt zusätzlich von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ GmbH) im Rahmen des Konzeptes der Public-Private-Partnership (PPP) begleitet und unterstützt. Ein Großteil dieser ergänzenden Fördermittel floss in die Beratung und Schulung der Bauern zu Organisations- und Managementfragen, zu Anbautechniken, sowie zu Qualitäts- und Vermarktungsfragen.

Projektstandort ist Waslala. Das „Municipio de Waslala” ist mit ca. 1800 Kakaobauern das wichtigste Kakaoanbaugebiet in Nicaragua. Waslala ist Teil des Biosphärenreservates Bosawas. Das Gebiet umfasst rund 20.000 qkm, und in seiner Kernzone befindet sich einer der größten zusammenhängenden und noch intakten tropischen Tieflandregenwälder Zentralamerikas.

Das 1991 durch Präsidialdekret geschaffene „Nationale Naturreservat Bosawas“ wurde durch die UNESCO 1997 zum „Biosphärenreservat und Erbe der Menschheit“ erklärt. Besondere Maßnahmen zur Bodenerhaltung, eine angepasste Bewirtschaftung und Aufforstung sind hier in hohem Maße erforderlich.

Die Firmeninhaber Alfred Ritter und Marli Hoppe-Ritter begründen ihr Engagement so: „Kakao ist für unsere Produkte ein Hauptbestandteil, den wir aus Ländern der Dritten Welt beziehen. Wir haben daher diesen Ländern gegenüber auch eine besondere Verantwortung. Klar ist, dass der Schutz der tropischen Wälder der Mitwirkung durch die Industrieländer bedarf. Hierzu wollen wir unseren Beitrag leisten. Wir interessieren uns aber auch für Produkte, die aus organisch angebautem Kakao hergestellt werden. Außerdem versprechen wir uns durch die Zusammenarbeit mit den Kakaobauern wichtiges Grundlagenwissen über den Kakaoanbau und die verschiedenen Kakaosorten.”

Seit 2007 wird das Projekt CACAONICA vom Deutschen Entwicklungsdienst (DED) unterstützend begleitet. Zudem betreut und berät ADDAC (Associación para la diversificación y desarrollo agrícola communal) die Bauern beim Anbau von Bio-Kakao.

In dieser öffentlich-privaten Entwicklungspartnerschaft setzt RITTER SPORT sein Engagement in Nicaragua fort und beendet zugleich die ausschließliche Förderung, der von RITTER SPORT gegründeten Kooperative Cacaonica. Statt einer singulären Unterstützung einer Kooperative bietet RITTER SPORT jetzt allen Kakaobauern – unabhängig davon ob und in welcher Kooperative sie organisiert sind – die Möglichkeit, ihren Kakao für einen sehr guten Preis zu verkaufen.

In kurzer Zeit entwickelte sich so die Zusammenarbeit mit 14 Kooperativen in Nicaragua. Kakao-Bauern von Cacaonica, Nueva Waslala, Rios de Agua Viva, Bocay, Siuna, La Campesina, La Campana, Muelle Los, El Rama, Tamagas, Nueva Guinea und den im Süden ansässigen Kooperativen Cosemucrim, Castillo und Guatuzos liefern nun ihren Kakao an RITTER SPORT. Der Kakao wird in der von RITTER SPORT neu gebauten, zentralen Annahmestation in Matagalpa angenommen und gelagert.

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Im Jahre 1990 begann die Zusammenarbeit mit 170 Bauern, mittlerweile werden 700 Bauern durch das Projekt betreut. Einige der campesinos, die von Anfang an am Projekt teilnehmen und besonders engagiert sind, unterstützen inzwischen das Projektteam als so genannte promotores. Das Projekt erfährt in Nicaragua eine breite Unterstützung. Sowohl die Regierungsstellen als auch die christlichen Kirchen Nicaraguas sind in das Projekt integriert.

Die Bauern erhalten Pflanzen und Samen, z.B. Bananenstauden, Schattenbäume, Kakaopflänzchen und Nutzholzbäume, sowie die zur Bearbeitung notwendigen Werkzeuge. Gleich bedeutend mit dieser materiellen Unterstützung ist die ständige Beratung und Begleitung durch das kompetente Team. Unter fachkundiger Anleitung werden Anbaumethoden und Kakaoverarbeitung ständig kontrolliert und verbessert, um einheitlich hohe Qualitätsstandards durchzusetzen.

Eine ebenfalls wichtige Stellung nimmt RADIO WASLALA ein: Über den lokalen Radiosender wird täglich eine Sendung mit Informations- und Ausbildungsprogrammen, sowie dem aktuellen Rohkakao-Preis im gesamten Projektgebiet ausgestrahlt. Dadurch wird erreicht, dass selbst in den entlegensten Kakaoplantagen nach den gleichen Qualitätskriterien angebaut und verarbeitet wird.

Die Resonanz bei den Bauern im Projektgebiet war von Beginn an sehr groß. Auch die Aufforstungsmaßnahmen stoßen auf ein erfreulich großes Interesse. Zwischenzeitlich ist jeder Bauer, der seit Beginn am Projekt teilnimmt, Besitzer einer eigenen Baumschule mit 600 Bäumen verschiedener Art. Zahlreiche Bauern haben neue Kakaofelder angelegt und konnten ihre Erträge deutlich verbessern. Eine große Aufgabe beim Anbau von Kakao stellt die Bekämpfung der Moniliasis dar. Hierbei handelt es sich um eine Pilzkrankheit, welche die Kakaofrucht befällt und zerstört. Nur durch rechtzeitiges Entfernen der befallenen Früchte können weitere Schäden verhindert werden. Bereits heute organisiert das Projekt bei über 1000 campesinos Pflegemaßnahmen zur Bekämpfung dieser Kakaokrankheit. Bei der Projektarbeit wird großer Wert auf die Verbesserung der langfristigen Ertragsfähigkeit der Anbauflächen gelegt. So wurde bereits 1995 mit dem Bau von acequias begonnen, ca. 35 cm tiefen Gräben, die niveaugleich am Hang verlaufen und während der Regenzeit die durch Wasser verursachte Bodenerosion reduzieren. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit in den letzten Jahren ist die Anleitung der campesinos zu umweltbewusstem Arbeiten. Diese Schulungen sind unbedingt erforderlich, da die Bevölkerung in der Projektregion noch immer im Bewusstsein grenzenlos vorhandener Ressourcen lebt, obwohl auf den bewirtschafteten Flächen die Bodenerosion rasch voranschreitet. Ende 1996 konnten erstmals ca. 50 Tonnen Kakaobohnen aus dem Projektanbau geerntet werden; im Jahr 2002 waren es bereits 200 Tonnen.

In Waslala wurden eine große, mit EU-Mitteln erbaute Kakaotrockenanlage und eine Lagerhalle von CACAONICA übernommen. Daneben wurden im Projektgebiet 4 Zentren für Kakaoankauf eingerichtet. Die Vermarktung des Kakaos erfolgte anfangs hauptsächlich in Nicaragua und in Honduras. Ein System kleiner Kooperativen, mit einer Zentralgenossenschaft in Waslala, welche seit Mitte des Jahres 2000 die zentrale Verarbeitung in einer eigenen Anlage und den Verkauf des im Projektgebiet erzeugten Rohkakaos übernimmt, macht die Bauern von den lokalen Händlern unabhängig und sichert ihnen direkten Zugang zu Großabnehmern in Industrie und Handel.

Derzeit sind in der „Cooperativa CACAONICA“ etwa 350 Bauern Mitglied. Die Kooperative verfügt in Waslala über ein großes Lager. Hier liefern die Bauern ihren fermentierten Kakao ab und erhalten – nachdem eine Qualitätskontrolle durchgeführt wurde – sofort den Ankaufspreis ausgezahlt. Unmittelbar beim Lager befindet sich eine Anlage zum Trocknen des Kakaos. Danach wird er eingelagert. Der Abtransport erfolgt von hier mit dem Lkw zum Abnehmer oder bei Exportanfragen in den Hafen. Bereits seit Projektbeginn werden Kurse zur Genossenschaftsförderung durchgeführt. Die Bauern erhalten auch Anleitung bei der Trocknung und Fermentierung der Kakaobohnen mit dem Ziel, einheitliche hohe Qualitätsstandards durchzusetzen. Mit Erfolg: die Qualität des Kakaos aus der Region Waslala ist deutlich besser als die anderer Regionen, und die Bauern erzielen mit gut fermentierten Qualitäten wesentlich höhere Preise.

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Seit nunmehr 19 Jahren werden Kleinbauern im Projektgebiet vor allem in Produktion und Vermarktung von Kakao aus organischem Anbau sowie dem Aufbau organisatorischer Strukturen gefördert und beratend unterstützt. Im Mai 2000 wurde eine erste Gruppe von 82 campesinos durch eine von der EU anerkannte lokale Kontrollstelle zertifiziert. Mittlerweile arbeiten über 350 Kleinbauern unter diesem Zertifikat für organischen Anbau, welches beinhaltet, dass sie ihre gesamte Produktion unter ökologischen Rahmenbedingungen betreiben.

Das unternehmerische Interesse von RITTER SPORT in der Projektregion ist seit Beginn der Fördermaßnahmen langfristig auf den Einkauf von ökologisch erzeugtem Rohkakao hoher Qualität ausgerichtet. Um rentable Mengen hoher Qualität zu angemessenen Preisen zu erwirtschaften, wird die bisherige Beratung verstärkt und ausgeweitet, um noch sehr viel mehr Kleinbauern an die zertifizierte ökologische Erzeugung heranzuführen und sie, nach Erhalt des Zertifikats, für den Beitritt in die Kooperative zu gewinnen. Zudem sollen in allen beteiligten Betrieben die Richtlinien des Biosphärenreservates Bosawas konsequent umgesetzt werden.

Nachdem im Jahr 2002 erstmals 2 Container ökologisch erzeugten Kakaos („Cacao Orgánico de Waslala“) aus dem Projekt nach Deutschland exportiert werden konnten, wurde im März 2003 ein langfristiger Vertrag zwischen dem Unternehmen RITTER SPORT und der Kooperative CACAONICA unterzeichnet, in dem die Lieferung von mindestens 50 Tonnen Kakao aus organischem Anbau über einen Zeitraum von mehreren Jahren vereinbart wurde.

Zusätzlich zum Welthandelspreis für ökologisch erzeugten Kakao erhält die Genossenschaft einen Prämienzuschlag, der sich an Fair Trade-Preisen orientiert. Diese Prämie soll innerhalb der Genossenschaft zur Erweiterung und Optimierung der Infrastrukturen eingesetzt werden. Der Vertrag bietet den Bauern der Kooperative eine langfristige Sicherheit und bessere Kalkulationsmöglichkeiten. Die Vermarktung des Kakaos aus organischem Anbau wird jedoch nicht allein an das Unternehmen RITTER SPORT gebunden, so dass der Kooperative auch andere Vermarktungswege offen stehen.

CACAONICA ist inzwischen als eigenes Label in das Register der Fairtrade Labeling Organisation (FLO) eingetragen. Zunächst wird der im Projekt erzeugte und von RITTER SPORT eingekaufte Kakao als Beimischung zur laufenden Produktion verwendet. RITTER SPORT strebt mittelfristig an, eine eigene Schokoladenlinie aus ökologisch erzeugtem Kakao auf den Markt zu bringen; Voraussetzung hierfür ist jedoch zunächst eine kontinuierliche Lieferung ausreichender Mengen Kakaos aus organischem Anbau in Premiumqualität.

Die Entwicklung vom Entwicklungshilfeprojekt zur vertraglich gesicherten Partnerschaft ist ein beachtlicher Erfolg des CACAONICA-Projektes, sowohl für die Kleinbauern in Nicaragua als auch für RITTER SPORT und ein Meilenstein für die wirtschaftliche Entwicklung der Projektregion.

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Laden Sie hier die Broschüre über unser CACAONICA-Projekt herunter. (Stand: 09/2003)

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